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Pascal Mercier (DE)

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon (Presentation)

 

Der Roman vom Pascal Mercier erzählt ein seltsames Treffen zweier Männer.

Diese zwei Männer sind Raymund Gregorius, Lateinlehrer aus Bern und Amadeu de Prado, ein portugiesischer Arzt und Schriftsteller.

Zwei Männer, einer, der aus seinem Gleichgewicht kippt, der andere fand nie ein Gleichgewicht in seinem Leben.

Raymond Gregorius ist Latein- und Altgriechischlehrer in einem Berner Gymnasium. Er ist zuverlässig, vertrauenswürdig, präzis, macht nie Fehler im Unterricht. Er ist berechenbar, sein Leben tickt wie ein Uhrwerk - langweilig. Sein Alltag dreht sich um uralte Texte, er ist Experte in diesem Bereich.

Doch eines Tages empfängt er zwei Impulse, einer davon bringt ihn aus seinem Gleichgewicht, der andere gibt ihm Schwung, sein Leben zu verändern.

Wie gewöhnlich, am Morgen um halb acht, geht er über die Kirchenfeldbrücke Richtung Gymnasium. Er erblickt eine Frau, die auf dem Geländer der Brücke steht und einen Brief liest. Will sie wirklich springen? Das erfahren weder Gregorius, noch wir Leser. Sie begleitet ihn ins Gymnasium. Das war der erste Impuls, Gregorius` Uhrwerk wird gestört.

Mitten im Unterricht verlässt Gregorius die Klasse, um die Frau zu suchen. Er findet sie nicht, er landet in einem Buchladen und entdeckt ein portugiesisches Buch. Das ist der zweite Impuls, der Schwung in sein Leben bringt.

„Gregorius nahm das Buch in die Hand und las: Amadeu Inacio de Almeida Prado, Um ourives das palavras, Lisboa 1975. Der Buchhändler war gekommen, warf jetzt einen Blick auf das Buch und sprach den Titel aus. Gregorius hörte nur einen Fluß von Zischlauten; die verschluckten, kaum hörbaren Vokale schienen nur als Vorwand dazusein, um das rauschende sch am Schluß stets von neuem wiederholen zu können.

„Sprechen Sie Portugiesisch?“

Gregorius schüttelte den Kopf.

Ein Goldschmied der Worte hieß es. Ist das nicht ein schöner Titel?“

„Still und elegant. Wie mattes Silber. Würden Sie ihn noch einmal auf Portugiesisch sagen?“…

…Und dann hörte er Sätze, die in ihm eine betäubende Wirkung entfalteten, denn sie klangen, als seien sie allein für ihn geschrieben worden, und nicht nur für ihn, sondern für ihn an diesem Vormittag, der alles verändert hätte.“  S.27

Gregorius fängt an intensiv portugiesisch zu lernen und zwei Tage später lässt er sein früheres Leben hinter sich und ist unterwegs nach Lissabon, um Amadeu de Prado zu treffen und kennenzulernen.

Schritt für Schritt erfährt er die folgenden Fakten:

  • Amadeu de Prado war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Arzt.
  • Er ist vor 30 Jahren gestorben.
  • Er hat am Widerstand gegen die Salazar-Diktatur teilgenommen.

Gregorius versucht, Kontakte aufzunehmen mit Leuten, die Amadeu de Prado kannten: mit Familienmitgliedern, Freunden, Lehrern, Schulfreunden.

Die Kontaktaufnahmen sind meist schwierig, zuerst muss Gregorius Vertrauen aufbauen. Gregorius, der in der Schweiz lebt, in Sicherheit, macht eine Reise in ein fernes Land und in die schwierige Vergangenheit, wo Leute misstrauisch waren, auch bei ihren Familienmitgliedern. Er will Amadeu de Prado durch solche Geschichten kennenlernen, die die Leute vergessen wollen, nicht darüber reden wollen.

(Wichtige Dinge, um Vertrauen zu gewinnen sind, gemeinsam heißen Tee zu trinken, oder sich durch Schachspielen kennenzulernen: ein feines Machtspiel zwischen zwei Personen.)

 Er schließt Bekanntschaften, er hört Erzählungen, liest Briefe, Manuskripte, hört Tonaufnahmen. Er lernt de Prado von vielen Seiten kennen, er kennt schließlich de Prado besser als jeder andere. Er identifiziert sich immer mehr mit de Prado.

Diese zwei Männer haben gleiche Grundwerte. Gregorius lebt aber in einem Elfenbeinturm, muss nie wichtige Entscheidungen treffen. Dagegen steht de Prado, der alle seine wichtigen Entscheidungen über Freiheit oder Folter, Leben oder Tod traf.

Gregorius verändert sich von außen, er bekommt zum Beispiel eine neue Brille. Er sieht deshalb die Welt schärfer. Die Verinnerlichung mit de Prado wirkt auch auf seinen Körper, es bekommt Schwindelgefühle.

Der Roman endet realistisch, es gibt keine Katharsis. Gregorius reist nach Bern zurück. Er lässt sich in einem Klinikum untersuchen. Er fängt an zu fotografieren.

Wichtige Momente dieses Romans:

  • De Prados Rede bei seiner Abiturfeier. Er erklärt, warum er nicht in einer Welt leben will, wo keine Kathedralen sind. Und danach erklärt er, warum die Kathedralen unwichtig sind. De Prado ist der Mann, der immer den Mittelweg sucht, nachdem er die Extremitäten untersucht hatte. De Prado und Gregorius Denkweise ist gleich: differenziert.
  • Der Vertrauensaufbau mit Joao Eca: Der heiße Tee verbrennt Gregorius Mund. Später, bei einem neuen Treffen, haben sie eine neue Erfahrung hinter sich: Beide verloren die Kontrolle über ihren Körper.
  • Gregorius projiziert seine Träume in de Prados Welt: er hängt Bilder im Schule von de Prado. Bilder von Ishafan, wo er als junge Lehrer arbeiten wollte. Und das Gespräch mit Maria Joao.

Er nickte. Er hatte nicht gewusst, daß es Menschen gab, die so schnell begriffen. Man konnte das Zugfenster öffnen und den Engel fragen.

Maria Joao tat etwas Überraschendes: Sie trat neben ihn und legte ihm den Arm um die Schulter.

„Amadeu hätte das verstanden. Und nicht nur verstanden. Er hätte Sie dafür geliebt.“ S.403

 

Bille August verfilmte den Roman, mit Hauptdarstellern Jeremy Irons und Jack Huston.

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Der Film vereinfacht wesentlich den Roman, mit weniger Darstellern und ohne die schönen Sätze, die ein schriftliches Werk hat.

 

 

 

 

Persönliche Verknüpfungen mit anderen Werken:

  1. Der Andere (2008) Film, Regisseur: Richard Eyre

Peter will unbedingt Ralph kennenlernen, aber aus ganz anderem Grund, aus dem Gregorius de Prado kennenlernen wollte. In der Kontaktaufnahme zwischen den zwei Hauptdarstellern spielt das Schachspiel genauso eine wichtige Rolle, wie zwischen Gregorius und Jorge O`Kelly.

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Ralph (Antonio Banderas) und Peter (Liam Neeson) Gregorius (Jeremy Irons)

 

  1. Zoltan Egressy: Portugal (Theaterstück 1998, Film 1999)

Der Hauptdarsteller, ein junger Essayist aus einer Großstadt will nach Portugal reisen, an Europas Westufer, um den Sonnenuntergang in den Ozean anzuschauen. Er ist ein Träumer und hat Fernweh. Er flieht vor seinen Problemen, unter anderem vor einer schlechten Ehe. Gegenüber de Prado ist er schwach, er kann seine Problemen nicht lösen, er bleibt in einer provinzialen Kneipe, zwischen provinzialen Problemen und Leuten hängen, er erreicht nie die „Finisterra“.

 

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Katona Theater 2016, Portugal (Karoly Hajduk)